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Blick in die Redaktion von 5min.at
5min.at veröffentlicht seit einiger Zeit detaillierte Informationen über interne Arbeitsprozesse. Warum haben Sie sich dafür entschieden?
Yvonne Schmid-Berger: Transparenz ist im digitalen Journalismus ein zentrales Thema. Viele Menschen fragen sich, wie Meldungen entstehen und wie Fakten überprüft werden. Wir wollten nachvollziehbar machen, wie wir arbeiten und welche Standards bei uns gelten.
Wie verifiziert die Redaktion Informationen, bevor sie veröffentlicht werden?
Grundsätzlich nutzen wir ein doppeltes Quellenprinzip. Wir stützen uns auf offizielle Angaben von Polizei, Einsatzorganisationen oder Behörden sowie auf schriftliche Stellungnahmen. Helfen diese Institutionen mit Informationen weiter, leisten sie einen wichtigen Beitrag beim Faktencheck und für gesicherte Informationen. Details, die uns Augenzeugen erzählen, werden nur verwendet, wenn sie überprüfbar sind. Unbestätigte oder spekulative Inhalte veröffentlichen wir nicht und ich möchte mich bei allen Institutionen, die mit uns zusammenarbeiten herzlich bedanken, dass sie uns seit zehn Jahren bereitwillig und gesichert Auskunft geben.
Wie geht die Redaktion mit Eilmeldungen und Blaulichtthemen um?
Bei Eilmeldungen arbeiten wir in mehreren Schritten. Eine Erstmeldung erscheint erst dann, wenn eine gesicherte Bestätigung aus zweiter Quelle vorliegt. Weitere Informationen werden in Form von Updates ergänzt. Wenn sich Sachverhalte ändern oder Fehler korrigiert werden müssen, geschieht das sichtbar und nachvollziehbar ganz unten im Beitrag.
Gibt es interne Leitlinien, die für alle redaktionellen Inhalte gelten?
Ja. Dazu gehört unter anderem die klare Trennung von Redaktion und Werbung. Kommerzielle Inhalte müssen eindeutig gekennzeichnet sein. Durch Werbung können wir unsere Inhalte für die breite Leserschaft kostenlos anbieten. Für mich einer der Hauptgründe, warum ich die Nachrichtenplattform www.5min.at gegründet habe: Wichtige Nachrichten müssen meiner Meinung nach kostenlos für die Bevölkerung angeboten werden. Außerdem haben wir Regeln für den Einsatz von KI: Sie unterstützt bei Struktur oder Recherche, aber Fakten werden ausschließlich journalistisch recherchiert. Die letztliche Verantwortung liegt immer bei Redakteurinnen und Redakteuren. Außerdem haben wir gemeinsam nach tragischen Geschehnissen in Graz und Villach einen ethischen Redaktions-Leitfaden geschrieben, an den sich alle Mitarbeiter orientieren können.
Welche Rolle spielt die publizistische Verantwortung bei 5 Minuten?
Ich trage als Herausgeberin und Chefredakteurin die publizistische Verantwortung. Damit ist klar nachvollziehbar, wer für Inhalte verantwortlich ist.
5min.at wurde von NewsGuard bewertet. Können Sie erklären, was das bedeutet?
NewsGuard prüft Medienwebsites auf der ganzen Welt anhand internationaler journalistischer Kriterien, zum Beispiel Transparenz, Verantwortlichkeit, Umgang mit Korrekturen und Trennung von Werbung und Inhalt. Damit leistet die Initiative wertvolle Arbeit, weil es Lesern hilft, die Vertrauenswürdigkeit von Nachrichtenquellen schnell und unabhängig einzuschätzen. Die Bewertung zeigt, dass 5 Minuten alle diese Kriterien erfüllt. Sie ist ein zusätzlicher externer Maßstab für unsere Arbeit. Wir haben das höchste Siegel, nämlich 100 von 100 Punkten bereits im Herbst 2023 erhalten und dürfen das Gütesiegel bis heute tragen. Das bedeutet aber auch, dass wir laufend an den eigenen Qualitätsansprüchen arbeiten.
Warum ist dieser externe Blick für Sie relevant?
Externe Bewertungen helfen, redaktionelle Prozesse einzuordnen. In einer digitalen Umgebung, in der viele Angebote anonym oder unklar strukturiert sind, ist Nachvollziehbarkeit wichtig. Für Leser ist es hilfreich zu wissen, wie ein Medium arbeitet.
Welche Informationen stellt 5min.at selbst zur Verfügung, um Transparenz herzustellen?
Wir veröffentlichen auf unserer Transparenzseite Details zu Eigentumsverhältnissen, redaktionellen Abläufen und Richtlinien. Damit können sich Leserinnen und Leser ein eigenes Bild davon machen, wie Inhalte entstehen und welche Grundsätze wir anwenden. Diese Offenlegung ist uns wichtig und wird auch auf unserer Transparenzseite dokumentiert.