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"Ein Hirn kann man nicht prompten"
Du willst mit der Jungen Wirtschaft Klagenfurt „laut sein“. Für welche Themen willst du in deiner neuen Funktion besonders laut werden?
Manuela Mark: Laut bin ich zum Glück sowieso. Nicht nur in meiner neuen Funktion. Ich möchte mit der JW vor allem dort laut werden, wo zwischen einer guten Idee und ihrer Umsetzung zu viel im Weg steht: bei der Bürokratie, die Gründung und Wachstum bremst, und bei der Vereinbarkeit von Familie und Selbstständigkeit. Kinder sind keine Karrierebremse, sondern die Visionär:innen von morgen. Ich will, dass Unternehmerinnen mit Kindern Raum und Möglichkeiten bekommen – auf Basis meiner eigenen Erfahrungen.
Als Texterin und Storytelling-Expertin erlebst du den rasanten Fortschritt generativer KI unmittelbar. Wie stark hat KI deinen eigenen Arbeitsalltag bereits verändert?
Sehr stark. Aber anders, als man im ersten Moment denken mag. KI hat bei mir nicht das Denken ersetzt, sondern vor allem Prozesse verändert. Ich kann schneller recherchieren, Varianten entwickeln, Strukturen prüfen oder mich mit einer Idee auseinandersetzen. Gleichzeitig merke ich immer stärker: Je besser die Tools werden, desto wichtiger wird die eigene Idee und der menschliche Prozess dahinter. Wahrscheinlich auch das eigene Talent.
Texte, Claims, Social-Media-Postings oder ganze Kommunikationskonzepte entstehen heute innerhalb weniger Sekunden mit KI. Wo liegt für dich künftig der Wert professioneller Texter:innen?
Wir bewegen uns zwischen Menschen. Ein guter Text beginnt für mich lange vor dem ersten Satz. Da geht’s ein bisschen auch um Energie und Gefühl. Dinge zwischen den Zeilen, die ich nicht einfach abtippen oder wo hineinsprechen kann. Die richtige Frage im richtigen Moment. Und vor allem die Kunst, Entscheidungen zu treffen. Das macht Marken authentisch.
Glaubst du, dass der Beruf der Texterin bzw. des Texters in zehn Jahren noch in seiner heutigen Form existieren wird?
Geile Frage. Ich bin ein positiver Mensch, aber ich denke nicht, dass der Beruf in der altbekannten Form weiter existieren wird. Viele Aufgaben, für die Texter:innen früher viel Zeit gebraucht haben, werden automatisiert werden. Das verändert den Beruf. Aber ich glaube nicht, dass dadurch gute Kommunikation überflüssig wird – im Gegenteil. Wenn jeder innerhalb von Sekunden Text produzieren kann, wird die Fähigkeit, etwas Relevantes zu sagen, umso wertvoller.
Welche Fähigkeiten werden Werber:innen und Kommunikationsprofis deiner Meinung nach künftig brauchen, um sich gegenüber KI-generierten Inhalten zu behaupten?
Stil. Urteilskraft. Neugier. Übergreifendes Denken. Und ein Hirn. Wahrscheinlich auch Talent. Dazu kommt etwas, das man nicht prompten kann: ein echtes Verständnis für Menschen. Wer zuhören, beobachten, Zusammenhänge erkennen und aus vielen Informationen eine gute Idee entwickeln kann, wird auch mit KI sehr viel anfangen und damit den Beruf weiterentwickeln können.
KI senkt für viele Unternehmen die Einstiegshürde, Kommunikation selbst zu produzieren. Ist das für Werbeagenturen und selbstständige Kreative eher Bedrohung oder Chance?
Beides. Natürlich wird sich einiges verändern und manche Leistungen werden weniger gefragt sein. Das lässt sich nicht wegdiskutieren. Gleichzeitig eröffnet KI unglaublich viele Möglichkeiten – gerade für kleinere Unternehmen, die sich professionelle Kommunikation bisher vielleicht nicht leisten konnten. Ich denke, wir sollten uns nicht fragen „Mensch oder KI?“, sondern hinschauen: Was machen wir Menschen daraus?
Wie verändert sich durch die Künstliche Intelligenz die Zusammenarbeit mit Kund:innen?
Sie wird ehrlicher. Die Rolle des kreativen Menschen verschiebt sich. Ich muss nicht mehr beweisen, dass ich schneller einen Text schreiben kann als mein Gegenüber. Ich muss zeigen, warum dieser Text überhaupt geschrieben werden sollte. Ich bin weg von „Kannst du mir das schnell schreiben?“ zu „Was wollen und können wir sagen?“
Wenn du am Ende deiner Zeit als Vorsitzende zurückblickst: Was müsste sich verändert haben, damit du sagen kannst: „Wir haben wirklich etwas bewegt“?
Wenn ich jungen Unternehmer:innen das Gefühl geben kann, dass sie eine (laute) Stimme haben, dann habe ich alles richtig gemacht. Die Junge Wirtschaft soll kein Netzwerk-Termin im Kalender sein, sondern ein Ort, an dem man Menschen kennenlernt, Ideen ausprobiert und sagt: Warum eigentlich nicht?