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Vom Werber, der auszog, Wirt zu werden
Beginnen wir mit dem Ende: Beim Forward Festival. Der Event markierte die letzte Station der zweitägigen Studienreise der Fachgruppe Werbung, die 26 Kärntner Kreative nach Wien führte. Im bis zum letzten Platz gefüllten Gartenbaukino lieferten Agenturen beim Festival Einblicke in ihre Arbeiten. Sofia Braga zum Beispiel. Sie hat sich auf Storytelling mit Artificial Intelligence spezialisiert und nimmt den Werbern eine Angst: „Künstliche Intelligenz raubt euch nicht euren Job.“ Denn es seien immer Personen hinter der KI und das Prompting muss schließlich auch jemand erledigen. Oder die Jungs von der Agentur Linke Wienzeile, Stefan Salcher and Tobias Schererbauer. Die beiden jungen Kreativen haben dem Radiosender FM4 einen neuen Markenanstrich verpasst und sagen: „Markenidentität ist ein laufender Prozess.“ Birgit Palma und Daniel Triendl gaben Einblicke in Visual Storytelling und erklärten ihre Vorgehensweise so: „Arbeitet bei Anfangs-Visualisierungen mit Graustufen, denn Farben können oft verwirren.“
Handeln bewusst nachhaltig
Verwirrt könnte man auch sein, wenn man den Eingang des Agenturverbunds House of Communications sucht. Im dritten Hof im sechsten Bezirk in der Gumpendorferstraße 87 verbirgt sich eine der Topagenturen in Wien. 140 Leute arbeiten dort und alle haben eines gemeinsam: keinen eigenen Arbeitsplatz. CEO Markus Mazuran erklärt eine neue Art von Agenturphilosophie. „Wir handeln bewusst nachhaltig und wollen bald klimapositiv bilanzieren. Und das wollen wir auch von unseren künftigen Kunden.“ Aber nicht nur in Sachen Nachhaltigkeit ist der Agenturverbund, bestehend aus Wien Nord Serviceplan, Mediaplus, Plan.Net und Now Serviceplan, topaufgestellt. Unter dem Titel „Überkreativität“ können alle Disziplinen abgedeckt werden. „Das schätzen unsere Kunden, da sie nur eine Agentur als Ansprechpartner haben“, so Mazuran. Mit einem weltweiten Netzwerk können so Events vor Ort organisiert und Kampagnen abgewickelt werden – oft auch auf ein und dieselbe Rechnung. Und das österreichische Kundenportfolio gibt Mazuran recht: Red Bull, Österreich Werbung, Adeg, Tipp 3 oder Almdudler stehen auf deren Shortlist.
DDB belohnt sich
Quasi gleich ums Eck, beim Wiener Gasometer, residieren BBDO/DDB, die ebenso im Verbund arbeiten und den 26 Werbern aus Kärnten ein ganz spezielles Menü servierten. Denn die Agentur von Andreas Spielvogel (DDB), der auch CREOS-Juryvorsitzender ist, werkt bereits seit 10 Jahren für McDonalds Austria. Der Fast-Food-Pionier setzt dabei streng auf Zahlen, Daten und Fakten. Jede Kampagne, jeder Social-Media-Post wird an Umsatz- und Verkaufszahlen gemessen. So auch die jüngste Kampagne, wo McDonalds-Snacks unter dem Claim „belohn dich“ beworben werden. Dass die Agentur in ihrem Schaffen dabei nicht falsch liegt, beweisen die unzähligen Werbepreise im Foyer.
Glück gehört dazu
Von Werbepreisen hingegen will Hans Schmid, Werbeurgestein und Besitzer des Nobelheurigen Mayer am Pfarrplatz nichts mehr wissen. Beim Kamingespräch im Heurigen merkt man dem über 80-jährigen Villacher noch immer seine Leidenschaft für Werbung an, der aber sagt: „Jetzt bin ich Wirt.“ Dennoch ist der Werdegang beeindruckend. Als Anzeigenberater bei der Krone merkte Schmid, dass er sich ganz der Werbung widmen will und kaufte sich bei der internationalen Agentur GGK ein, die er 1992 übernahm und im Jahr 2000 verkaufte. Er sagt und nestelt dabei an seinem Ring am Finger: „Die Sprache der Werbung muss klar und einfach sein.“ Das galt zu seiner Zeit als aktiver Werber wie jetzt. Aber: „Man muss auch ein bisschen Glück haben.“ Ein solches hatte Schmid, als er das Supermodel Naomi Campbell und Starfotograf Herb Ritts für die Palmers-Kampagne gewinnen konnte. Apropos klare Sprache: Für Kodak zierte nur ein Wort das Plakat: Klick. Beim einen oder anderen Gläschen Gemischten Satz scharten sich die Kärntner Kreativen rund um Schmid und plauderten noch bis spät in die Nacht.
Das bringt uns jetzt zum wirklichen Ende der Geschichte. Denn bei der Fahrt mit dem Bus retour nach Kärnten wurden noch die letzten Eindrücke des Forward Festivals verarbeitet. Fazit: In Wien mahlen die Werbemühlen größeres Korn.